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Mitteldeutsche Zeitung                                                    Wittenberg                                                                   WBG Mittwoch, 16. November 2005 - 11


Sorgen um den Nachwuchs

Kulturbund präsentiert sich im neuen Domizil - Fachgruppen stellen ihre Arbeit vor - Ausstellung eröffnet

von unserem Redakteur
Marcel Duclaud

Erste Ausstellung im neuen Domizil: Bodo Beuster zeigt in den Räumen des Kulturbunds Fotografien
zum Thema "Tropische Pflanzen". Die Bilder können bis März nächsten Jahres dort betrachtet werden. 
(MZ-Foto: Th. Klitzsch)
Wittenberg/MZ. "Das Haus hat ein bisschen mehr Kultur bekommen", freut sich Bodo Beuster. Der Fotograf meint das KTC in Wittenberg und den Kulturbund, der jetzt dort eingezogen ist (MZ berichtete) und einen Tag der offenen Tür veranstaltet hat, um sich am neuen Domizil vorzustellen. Viele nutzten die Gelegenheit, die Räume in Augenschein zu nehmen. Allerdings, es waren, und das verweist auf eines der Probleme des vor 60 Jahren gegründeten Kulturbundes, überwiegend ältere Semester.

Etwa Werner Goering. Der einstige Stadtratsvorsitzende ist auch passionierter Bienenzüchter. Er repräsentiert den altehrwürdigen Imkerverein Wittenberg, der seit 1911 existiert und als Gast beim Kulturbund logiert. Derzeit sind 32 Imker mit 350 Bienenvölkern dabei und auch ausgesprochen aktiv: "Zu unseren Treffen kommen meist 15 bis 20 Leute, das ist schon erstaunlich." Im Vordergrund steht der Erfahrungsaustausch - und momentan die Milbe, die zahlreiche Bienenvölker auf dem Gewissen hat. Was Goering indes noch beschäftigt, ist der fehlende Nachwuchs: "Kinder haben noch Spaß an der Imkerei. Aber dann kommen die Forderungen des Lebens. Und die sind offenbar so groß, dass keine Zeit bleibt für die Bienen." Vor der Wende, erinnert sich Goering, war das anders - über 80 Mitglieder und 2000 Bienenvölker zählte der Verein: "Bei uns wurden damals bis zu 35 Tonnen Honig produziert."

Auch Günter Seifert war beim Tag der offenen Tür des Kulturbundes mit von der Partie - er stellte die Arbeitsgruppe der Ornithologen vor, bei der der Orthopädie-Techniker seit 25 Jahren Mitglied ist. Die Gruppe, die zehn Leute umfasst ("Wir werden immer weniger") kümmert sich zum Beispiel um die Zählung der Wasservögel in der Region. Anders hingegen die Bonsai-Freunde. Die gründeten sich im Jahre 1988 ("Es gab damals nur ein Buch über unser Hobby, und das war allenfalls unterm Ladentisch zu bekommen") und haben einen relativ stabilen Stamm von 20 Mitgliedern. Richard Rooch ist deren Vorsitzender, er verweist auf unendlich viele Arten und auf das Schneiden, das zu den Hauptarbeit zähle. Nicht zuletzt dabei unterstützen sich die Bonsai-Liebhaber, die oft hunderte Pflanzen zu Hause haben - und sie gerne auch in der Öffentlichkeit zeigen, bei den aller zwei Jahre stattfindenden Ausstellungen etwa.

Auf eine Rarität verwies überdies der Vorsitzende des Kulturbundes, Dieter Schäfer. Es handelt sich um einen Sinclair-Computer, nach heutigen Maßstäben ein vorsintflutliches Gerät, mit dem der Wittenberger PC-Club gegründet wurde. Und zwar schon im Jahre 1987. Sinclair-Fans treffen sich übrigens des öfteren. Dieses Jahr in Wittenberg - fast 20 Gäste waren dabei.

Eröffnet wurde beim Tag der offenen Tür des Kulturbundes, Lutherstraße 41 / 42, eine Foto-Ausstellung zum Thema "Tropische Pflanzen". Die Bilder von Bodo Beuster werden bis 31. März 2006 gezeigt.
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