Der Kulturbund in Deutschland
Nach dem Zusammenbruch des Hitlerfaschismus
1945 herrschte in Deutschland unter der Bevölkerung politische und
kulturelle Orientierungslosigkeit.
Kultur und Kunst wurden als wichtig
für die Erziehung zu Humanismus und Demokratie erkannt.
In der damaligen sowjetischen Besatzungszone
wurde das Versammlungsrecht und die Gründung von Vereinen zugelassen.
In Berlin wurde am 13. Juni 1945
eine Vereinigung aller an Kultur interessierten Menschen gegründet,
der sich "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands"
nannte.
Er war als Heimstatt aller an Wissenschaft,
Kunst, Literatur und Heimatkunde interessierten Menschen ohne Rücksicht
auf Herkunft oder Parteizugehörigkeit gedacht. Hauptziel war, die
Menschen wieder mit den humanistischen Werten einer unter dem Faschismus
entstellten oder verbotenen Kultur vertraut zu machen.
An der Spitze des Kulturbundes standen
aus der Emigration zurückgekehrte Künstler und Wissenschaftler
oder Idealisten, die sich ihre humanistische Denkweise bewahrt hatten.
Der Kulturbund erreichte breite
Bevölkerungskreise und er ermöglichte eine sinnvolle Freizeitgestaltung.
Über die Bezeichnungen "Deutscher
Kulturbund" und schließlich, als infolge des kalten Krieges der
Traum von der Wiedervereinigung starb, als "Kulturbund der DDR"
wurde die Organisation in den staatlichen Zentralismus einbezogen und hatte
ein Alleinvertretungsrecht z.B. für Interessengruppen auf den Gebieten
Philatelie, Naturschutz oder Heimatgeschichte. Ein Vereinsrecht gab es
in der DDR schon lange nicht mehr.
Der Kulturbund war in allen Kreisen
und vielen Orten präsent.
Regte sich irgendwo ein neues Interesse,
z.B. Postkarten oder Streichholzschachteln sammeln, Heimcomputer
betreiben oder Höhlenforschen, schon fand sich die Gruppe im Kulturbund
wieder. Damit war die materielle Existenz der Gruppe gesichert, aber die
staatliche Aufsicht auch.
Eine Besonderheit war der Klub der
Intelligenz. Er war eine von der DDR-Regierung 1954 zugestandene Insel
der Exklusivität für Akademiker, wo sie einerseits unterwo sie
einerseits unter sich sein konnten und andererseits ein öffentliches
Vortragsprogramm gestalteten
Der Kulturbund in Wittenberg.
Der
Der Kulturbund nutzte seit 1948
das Hauses Puschkinstraße 64. Mit
der Gründung des "Klub der Intelligenz" im Jahr 1955 wurde das Haus
umgebaut und vergrößert, um den Ansprüchen gehobener Gastlichkeit
zu genügen. Später
bekam das Haus den Namen des Chemieprofessors Hans Heinrich Franck
, parteilos und wegen unbefleckter Vergangenheit nach 1945 Direktor des
Stickstoffwerkes. Der Name wurde von den Piesteritzer Chemikern vorgeschlagen
und fand allgemeine Zustimmung.
Der Hans-Heinrich-Franck-Klub
war seitdem Treffpunkt von Ärzten, Lehrern, Chemikern (der sog. Intelligenz),
von Interessengruppen des Kulturbundes und gleichzeitig Sitz des Sekretariats.
Das waren etwa 1200 Mitglieder in
4 Gesellschaften, 20 Fachgruppen, Freundeskreise , der Klub der Intelligenz,
die kleine Galerie und eine Gaststätte.
Das monatlich erscheinende Programmheft
wurde jedem Mitglied zugeschickt.
Der Klub der Intelligenz organisierte
ein hochkarätiges universelles und öffentliches Vortragsprogramm.
In der "Kleinen Galerie" Galerie fanden regelmäßig Ausstellungen
bildender Künstler statt.
Im Wittenberger Kulturbund trafen sich regelmäßig
die Fachgruppen: Feldherpetologie, heimische Fische,
Entomologie, Geologie, Ornithologie, heimische Säugetiere, Botanik,
Heimische Pilze, Terrarienkunde, Kakteen und andere Sukkulenten, Bonsai,
Denkmalpflege, Numismatik, Philatelie, Philokartie, Esperanto,
die Interessengruppen: Wittenberger Röhrwasser, Wandern
und Touristik, Handarbeiten, Keramik, Heimatgeschichte, Aquarianer, Igelschutz,
Fotografie, Pirckheimer.
Die Freundeskreise: Kleine Galerie, Literatur, Heimcomputer
Die Gruppen waren aktiv und erfolgreich,
auch international.
Die Gaststätte war als Vereinsgaststätte
Mitgliedern, deren Gästen und Besuchern von Veranstaltungen geöffnet.
Von 1987 bis 1989 wurde das Haus
mit eigenen Kräften rekonstruiert und um einen Kleinen Saal, einen
Empfangsraum und einen Gastraum erweitert. Ein Parkplatz wurde angelegt
und ein Garten-Cafe eingerichtet.
Der Hans-Heinrich-Franck hat sich
über Jahrzehnte zu einer Stätte der Begegnung und der Gastlichkeit
zugleich entwickelt. Diese Tradition hat sich in das Bewußtsein
der Bürger der Stadt Wittenberg eingeprägt. |